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Ist YouTube das neue Klassenzimmer?

KF

Der Dreißigjährige Krieg in kompakten elf Minuten erklärt. Matheformeln, die über das Smartphone hüpfen und bei Bedarf immer und immer wieder angeschaut werden können. Bis man es kapiert hat. Mit YouTube-Videos lässt sich das Lerntempo individuell gestalten, der Lehrer ist frei wählbar. Vorteile, die von Schülern gerade in der Corona Krise geschätzt werden. Denn der Unterricht zuhause erfordert besondere Maßnahmen. Die YouTube-Stars, die Schulstoff verständlich machen, heißen Daniel Jung, „Lehrerschmidt“ oder „MrWissen2Go“. Sie ergänzen mit ihren Erklärvideos den Heim-Unterricht. Und das auch schon vor der Corona-Krise. Das ergab eine deutschlandweite Umfrage unter rund 800 Schülern im Auftrag des „Rats für kulturelle Bildung“, die im Juni letzten Jahres veröffentlicht wurde. Der Studie zufolge landet YouTube bei zwölf- bis 19-Jährigen in der Liste der genutzten digitalen Plattformen auf Platz zwei. Für 47 Prozent der Befragten sind YouTube Videos zu Schulthemen wichtig bis sehr wichtig. Rund drei Viertel von ihnen sagen, sie nutzen die Plattform für Hausaufgaben, oder um sich Dinge erklären zu lassen, die sie im Unterricht nicht verstanden haben. YouTube also als Nachhilfelehrer. Eine nicht repräsentative Umfrage bei meinen drei Jungs, die in der Corona-Krise ja zuhause lernen mussten, bestätigt das. Alle drei ließen sich zum Beispiel gerne von Mirko Drotschmann durch den Heimschulalltag begleiten, da seine Videos kürzer als eine Unterrichtseinheit sind und das Wichtigste knapp auf den Punkt bringen. Selbst die Corona-Krise wurde auf YouTube verständlich gemacht. Das Video „Corona geht gerade erst los“ der promovierten Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim erreichte 6,2 Millionen Zuschauer. Normalerweise erklärt Nguyen-Kim auf ihrem YouTube-Kanal „maiLab“ naturwissenschaftliche Prozesse, zum Beispiel: „Wie unterscheidet sich der Zucker in Cola von dem in Smoothies? Oder wie verbrennt unser Körper eigentlich Fett?“. Gerade diese kurzen, unterhaltsamen Clips machen trockenen Schulstoff „smoother“. Oft ist der Altersunterschied zwischen Youtuber und Schüler auch nicht besonders groß, und die Youtuber sind näher dran an der Lebenswelt der Schüler. Wenn so viele junge Leute YouTube als Nachhilfe- und zusätzliches Erklärmedium nutzen: Machen dann die Lehrer etwas falsch? „Früher hätten sich Schüler von Klassenkameraden oder Eltern Dinge, die sie nicht verstanden haben, erklären lassen,“ sagt Heinz-Peter Meidinger vom deutschen Lehrerverband der Nachrichtenagentur dpa. „Und da kommen eben jetzt als neues Element die Erklärvideos dazu. Den echten Unterricht ersetzen könne so etwas aber nicht.“ Das bestätigt mir auch mein 16-jähriger Sohn. Er gibt zu, dass man im Schulunterricht weniger abgelenkt ist als zuhause und der Lehrer auch auf individuelle Fragen eingehen kann. Die Beziehung und zwischenmenschliche Kommunikation mit den Lehrern bleibt also unersetzbar. Wie gut, dass durch die Corona-Krise die Arbeit der Lehrer wieder mehr geschätzt wird. Und als Mutter, die sich ungern in unterschiedliche Schulstoffe aus verschiedenen Sekundarstufen einarbeitet: Danke allen YouTube-Lehrern für die Unterstützung zuhause!

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©Torsten Silz