Erziehung

Alleinerziehende unter Druck

Erziehung

Alleinerziehende sind hohen wirtschaftlichen, gesundheitlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Sie haben ein rund dreifach erhöhtes Depressionsrisiko und leiden öfter als Nicht-Alleinerziehende an psychosomatischen Erkrankungen wie chronische Schmerzen. Grund sind häufig die zahlreichen Anforderungen im Alltag: Arbeit und die Bedürfnisse ihrer Kinder unter einen Hut bringen, permanenten Zeitmangel managen, Einsamkeit und finanzielle Engpässe. Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) weist darauf hin, dass sich die vielfältigen Belastungen auch auf die Eltern-Kind-Beziehung auswirken können. Ein Bindungstraining für Alleinerziehende und ihre Kinder soll hier nun gegensteuern. Rund jedes fünfte Kind in Deutschland wächst mit nur einem Elternteil auf – insgesamt sind es 2,3 Millionen Kinder, die in rund 1,6 Millionen EinEltern-Familien leben. Meist sind es die Mütter, die nach einer Trennung den Hauptteil der Kindererziehung übernehmen, nur in jeder zehnten getrennten Familie verbringen die Kinder die meiste Zeit beim Vater. „Ein großer Teil der Ein-Eltern-Familien kommt gut mit der Situation zurecht und hat ein harmonisches Familienleben“, sagt Professor Dr. med. Matthias Franz vom Klinischen Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universitätsklinik Düsseldorf. Das dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ein-ElternFamilien besonderen Risiken ausgesetzt seien. Zum einen ist die finanzielle Situation oft prekär: Mit 39 Prozent ist die Hartz IV-Quote bei Ein-Eltern-Familien mehr als fünfmal so hoch wie in Paarhaushalten. Zum anderen haben Alleinerziehende oft mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, die auf die psychosoziale Dauerbelastung und Einsamkeit zurückgehen. „Suchterkrankungen, Angststörungen, chronische Schmerzen und andere psychosomatische Beschwerden treten bei Alleinerziehenden deutlich häufiger auf als im Bevölkerungsdurchschnitt“, sagt Franz. Aus der Erfahrung anhaltender Überforderung und häufig bestehender Schuldgefühle gleiten viele in eine Depression. Automatisch mitbetroffen sind dann auch die Kinder: Wenn Zeit und emotionale Ressourcen fehlen, um angemessen auf sie einzugehen, reagieren sie oft mit Rückzug oder Verhaltensproblemen; die Eltern-Kind-Beziehung gerät dann mehr und mehr in Schieflage. Um Alleinerziehende in dieser Situation wirksam zu unterstützen, hat Matthias Franz gemeinsam mit Kollegen das Bindungstraining „wir2“ entwickelt. Das auf entwicklungspsychologischen Grundlagen basierende Programm richtet sich gezielt an Alleinerziehende mit Kindern zwischen drei und zehn Jahren und besteht aus 20 wöchentlichen Gruppensitzungen von je 90 Minuten Dauer. Dass dieser Ansatz greift, hat sich in der wissenschaftlichen Evaluation des Programms gezeigt: Die Eltern gehen mit gestärktem Selbstvertrauen und besserem Wohlbefinden aus dem Gruppenprozess hervor, psychische Belastungsfolgen verringern sich, und auch das Verhalten und Wohlbefinden der Kinder werden positiv beeinflusst. Diese Effekte waren zudem nachhaltig und ließen sich noch ein Jahr nach dem Ende des Programms nachweisen. Für die Alleinerziehenden ist die Teilnahme kostenlos. Weitere Infos unter www.wir2-bindungstraining.de.

Familie
© Eisele Staniek+ architekten

Evangelischer Regionalverband eröffnete Hessens größtes psychosoziales Beratungszentrum

Sport & Fitness
© Sportkreis Frankfurt

„Mainova Sport Rhein- Main“ - Zusammenarbeit um zwei Jahre verlängert

Aktuelles
© MyPlace-SelfStorage/Mark Volz

MyPlace-SelfStorage und die Frankfurter Tafel e.V. sammeln Weihnachtsgeschenke für bedürftige Kinder

Veranstaltungen

Frankfurt

Familie
©Syda Productions - stock.adobe.com

Erziehung

Ernährung

Medien

Spielend reisen, auch ohne Medien