Digitale Familie

Der Ernst des Lebens

TH
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Mit dem Eintritt in die Grundschule beginne der „Ernst des Lebens“ heißt es: Morgens früh aufstehen, stillsitzen, sich konzentrieren, mitarbeiten, Hausaufgaben machen. Das gilt für alle Kinder.

Viele Kinder freuen sich darauf, endlich lesen und schreiben zu lernen, wenige können es bereits. Die Grundschule hat die Aufgabe, allen Kindern elementare Kenntnisse beizubringen: Schreiben, Lesen, Grundrechenarten, Sachunterricht, wenn es gut läuft, noch erste Englischkenntnisse und einiges mehr. Die Lehrkräfte beginnen nicht bei allen Kindern bei Null. Die SchülerInnen bringen  unterschiedliche Voraussetzungen mit. Während die einen im Kindergarten schon ihren Freunden vorlasen, besitzen andere nicht einmal ein Buch. Die einen schreiben bereits Vor- und Nachnamen, andere wissen nicht, wie sie einen Stift halten sollen. Manche besitzen kaum deutsche Sprachkenntnisse oder zeigen ausgeprägte Verhaltensauffälligkeiten. Nun hat die Grundschule vier Jahre Zeit, alle auf einen Nenner zu bringen. Doch das Ergebnis am Ende der Grundschulzeit ist zum Teil niederschmetternd: Kinder, die nicht lesen können, mangelnde Rechenkenntnisse haben und deren geschriebenen Texte vor Fehlern nur so strotzen. Da fragt auch niemand mehr nach musikalischer Früherziehung oder ersten Englischkenntnissen. Wie konnte es nur so weit kommen?

Hat die Grundschule nicht immer wieder versucht, alles besser zu machen? „Seit Jahrzehnten ist die Grundschule das pädagogische Experimentierfeld schlechthin. Das begann schon in den siebziger Jahren mit der unseligen Mengenlehre, hinzu kamen die flexible Einschulung fünf bis sieben Jahre alter Kinder, die Abschaffung der Ziffernoten in den ersten drei Klassen, das Schreiben nach Gehör …“, so Heike Schmoll in ihrem Online-Kommentar zur Bildungspolitik „Keine Experimente in der Grundschule“ (www.faz.net vom 26.10.2017). Man kann es auch positiv sehen: Die Grundschulen versuchen innovativ zu sein. Lernen wird kreativ vermittelt, lernen soll Spaß machen. Keinesfalls will die Grundschule stehen bleiben. Ganz anders stellt sich die Situation in manchen weiterführenden Schulen dar. Eltern von Kindern an Gymansien können kaum Unterschiede zur eigenen Schulzeit erkennen. Da hat sich mancherorts nicht viel getan. Die Grundschule dagegen versucht beweglich zu sein. Doch hat sie mittlerweile mit vielen Problemen zu kämpfen: Wie bereits erwähnt starten Kinder mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen ihre Schullaufbahn. Hinzu kommt der starke Anstieg von Migranten- und Flüchtlingskindern und der enorme Anstieg der Inklusionsquote. Das wäre alles zu meistern, wenn es Personal gäbe, das eine zusätzliche Betreuung und Förderung von Kindern mit Defiziten und Einschränkungen gewährleisten könnte. Dies ist leider nicht der Fall und das ganz große Dilemma. Neben den gestiegenen Schülerzahlen ist die Zahl der Lehrkräfte an Grundschulen gesunken. Zahlreiche Schulleiterstellen bleiben unbesetzt. Die Zahl der BewerberInnen kann den Bedarf nicht decken, so dass vielerorts Quereinsteiger in sogenannten „Mangelfächern“ den Unterricht übernehmen – nicht ohne Konsequenzen: Mit zuwenig Personal kann keine essentielle Bildungsarbeit geleistet werden. Quereinsteiger mögen sicherlich ihr bestes geben, doch fehlt ihnen nicht selten die pädagogische Ausbildung, um mit schwierigen Situationen, z.B. in sozialen Brennpunkten, zurecht zu kommen. Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) stellte vergangenen Herbst bundesweit einen deutlichen Leistungsabfall unter Grundschülern fest: Durchschnittlich können 22,1 % der Viertklässler nicht richtig schrei ben, 10,8 % verfügen nicht über die Kompetenz des Zuhörens im Fach Deutsch und 15 % können einfache Rechenaufgaben nicht lösen. Wo soll das hinführen? Zudem ist der Beruf des Grundschullehrers oder genauer der -lehrerin, denn es gibt kaum Männer in dieser Domäne, recht unattraktiv. Das Studium auf Grundschullehramt, mancherorts ist für die Aufnahme an der Universität bereits ein Numerus Clausus mit einer Eins vor dem Komma gefordert, dauert genauso lange wie das einer Gymnasiallehrerin. Doch warum wird die Grundschullehrerin schlechter bezahlt? In der Grundschule zu arbeiten bedeutet nicht, kleinen Kindern spielerisch das Zahlen-Einmaleins beizubrignen und das Alphabet zu lehren. Die gewaltigen Herausforderungen, die es heuzutage zu meistern gilt, sind bei schlechter Bezahlung nicht tragbar. Einige Bundesländer haben bereits die Grundgehälter angehoben. Eine schnelle bundesweite und positive Entwicklung wäre wünschenswert. Denn welche Chancen haben Kinder mit mangelnder Bildung?

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