Ernährung

Die Bedeutung unserer Ernährung

TH
Ernährung

In unserer Gesellschaft ist die Ernährung ein zentrales Thema. Bas Kast hat in seinem Buch „Der Ernährungskompass“ Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zusammengetragen. Wir haben ihm einige Fragen zur Ernährung von Kindern und Jugendlichen gestellt.

Herr Kast, Jugendliche haben oft ihre eigene Esskultur: Junk Food, Fast Food – keine gesunde Ernährung. Welche Auswirkungen hat diese Ernährung auf deren Entwicklung?
 
Na, wie man sich denken, eine nicht allzu günstige. Sämtliche großen Volksleiden, mit denen wir es im Alter zu tun bekommen, werden entscheidend von der Ernährung und unserem Lebensstil mitbeeinflusst, das betrifft Herzkreislauferkrankungen ebenso wie Diabetes und Krebs. Wir wissen, dass diese Krankheiten oft Jahre, um nicht zu sagen Jahrzehnte brauchen, bis sich erste Symptome manifestieren. Schon als Kinder und Jugendliche legen wir so den Grundstein für unsere spätere Gesundheit und Fitness. Zum Glück ist unser Körper recht dankbar. Sobald man seine Ernährung umstellt, lassen sich zum Beispiel Gefäßverengungen nachweisbar rückgängig machen. Auch Diabetes ist in vielen Fällen heilbar.
 
Jugendliche müssen sich in der Gesellschaft positionieren. Ein Statement ist Vegetarismus oder Veganismus, meist im Tierwohl begründet. Wie stehen Sie dazu?
 
Ich finde unseren Umgang mit Tieren, was die Massentierhaltung betrifft, einen kaum zu überbietbaren Skandal. Man wird einmal in vielen Jahren auf unsere Zeit zurückblicken, so wie wir heute auf die Sklaverei zurückblicken, mit ähnlichen Unverständnis: Wie konntet Ihr das zulassen? Wie konntet Ihr so barbarisch sein? Insofern ist mir der Vegetarismus und Veganismus sehr sympathisch. Allerdings beschäftige ich mich in erster Linie damit, was gesund ist. Hier sprechen die Daten ebenfalls für eine starke Zurückhaltung, was Fleisch betrifft. Fisch dagegen muss man nach derzeitigen Erkenntnissen in der Hinsicht eher positiv bewerten.
 
Welche Ernährung fördert bei Schülern Konzentration, Ausdauer und Leistungsfähigkeit?
 
Es gibt ja diesen Mythos, wonach das Gehirn eine Menge Zucker braucht, um die notwendige Konzentration an den Tag zu legen. Darin steckt, wie in den meisten Mythen, einerseits ein Funke Wahrheit. Nur sollte man nicht denken, dass man also viel Zucker, zum Beispiel in Form von Colas oder Fruchtsäften oder „Energy Drinks“ trinken sollte, damit man sich auf den Unterricht oder aufs Lernen fokussieren kann. Im Gegenteil, diese Produkte sorgen für einen schnellen Blutzuckeranstieg, gefolgt von einem „Crash“, weil der Körper versucht, diesen absurden Anstieg sofort zu kontrollieren. Im Umkehrschluss heißt das: Auch für unser Gehirn sind „langsame“ Kohlenhydrate in Form von Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten ideal, natürlich auch heilsame Fette, wie Omega-3-Fette, die ins Gehirn eingebaut werden und dort eine günstige Wirkung entfalten. Diese Fette sind von der Struktur her „beweglicher“. Man könnte sagen: Ihr Gehirn wird dadurch in einem fast buchstäblichen Sinne „flexibler“!
 
Kann man Kinder zu gesunder Ernährung erziehen? In einem Interview sagten Sie, das Ihr vierjähriger Sohn kaum noch in den Genuss von Zucker käme. Weckt ein solch drastischer Verzicht nicht erst recht Begierlichkeiten?
 
Die Ernährungslandschaft, in der heutige Kinder aufwachsen, ist vollkommen unnatürlich. Haribo und all diese Produkte, die nur darauf angelegt sind, unsere Instinkte auszutricksen, mit dem Ziel, was wir besonders viel davon kaufen, egal, ob es die Gesundheit des Kindes ruiniert, all dieses verzuckerte Industriezeugs gab es schlicht nicht. Kinder sind dem unter Umständen vollkommen hilflos ausgeliefert. Nein, ich denke, man hat als Erwachsender die Verpflichtung, das eigene Kind davor zu schützen. Das dies in der Praxis eine Menge Nerven und Geduld kostet, weiß ich aus Erfahrung. Aber das müssen wir Erwachsene, die wir die Verantwortung haben, aushalten.
 
Vielen Dank, Herr Kast!

Bas Kast, Jahrgang 1973, studierte Psychologie und Biologie in Konstanz, Bochum und am MIT in Boston/USA. Er arbeitet als Wissenschaftsjournalist und Autor.

Der Ernährungskompass


Als der Wissenschaftsjournalist Bas Kast gerade 40-jährig mit Schmerzen in der Brust zusammenbrach, stellte sich ihm eine existenzielle Frage: Hatte er mit Junkfood seine Gesundheit ruiniert? Er nahm sich vor, seine Ernährung radikal umzustellen, um sich selbst zu heilen. Doch was ist wirklich gesund? Eine mehrjährige Entdeckungsreise in die aktuelle Alters- und Ernährungsforschung begann. Was essen besonders langlebige Völker? Wie nimmt man effizient ab? Lassen sich typische Altersleiden vermeiden? Kann man sich mit bestimmten Nahrungsmitteln „jung essen“? Aus Tausenden sich zum Teil widersprechenden Studien filtert Bas Kast die wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über eine wirklich gesunde Ernährung heraus. Auf dem Weg dorthin entlarvt er zahlreiche Ernährungsmythen. Ein objektiver Blick auf die gesammelten Daten und Erkenntnisse der vergangenen Jahrzehnte offenbart: Vieles, was wir für gesunde Ernährung halten, kann unserem Körper erheblich schaden. Umgekehrt entpuppt sich so manches Lebensmittel mit schlechtem Ruf als äußerst heilsame Medizin.
Bas Kasts Buch mit seiner wissenschaftlich erprobten Quintessenz eines gesundheitsfördernden Essens verschafft ein grundsätzliches Verständnis von unseren Lebensmitteln und Diäten. Es versetzt uns in die Lage, vermeintliche Zauberformeln und Hypes selbsternannter Diätgurus zu durchschauen und uns in dem gigantischen Nahrungs-Informationsdschungel besser zurechtzufinden.

Bas Kast: Der Ernährungskompass, C. Bertelsmann Verlag, 20 EUR.

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