Ernährung

Schöne neue Babykost-Welt

KF
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„Gesunde Vitamine naschen!” ... natürlich fallen wir längst nicht mehr auf den alten Werbeslogan der klebrigen Nimm2-Bonbons rein. Auch wenn heute immer noch „Vitamine und Naschen” auf der Verpackung steht, wissen wir instinktiv, dass der Zuckeranteil des Inhalts weitaus höher sein dürfte als die tägliche Vitaminversorgung durch Zitronenbonbons. Dennoch schafft es die Lebensmittelindustrie immer wieder neue Produkte zu erfinden, die uns vermeintlich gesund erhalten sollen. Mit besonderem Augenmerk auf die lieben Kleinen. Denn die müssen noch wachsen. Und können sich auch noch nicht wehren, wenn sie zum Beispiel einen Fruchtschnuller in den Mund gedrückt bekommen. Dieser Fruchtsauger ist eine Art Nylonnetz, in das man rohe oder gekochte Obststücke gibt. Jaaaa! Echtes Obst! Blink-blink: super gesund! Das Baby kann den Fruchtsauger dann am Griff festhalten und daran lutschen ohne sich zu verschlucken. Hm ... haben bisher nicht Millionen von Babys überlebt, obwohl sie ein Stück Banane einfach so in der Hand hielten? Hm ... Essen ist ja auch eine sinnliche Erfahrung: Riechen, schmecken, fühlen, sehen. Der Fruchtsauger macht damit Schluss. Und das Baby lernt ganz schnell, dass Essen in einem Netz an einem Plastikgriff serviert wird. Kleine Vorstufe zum späteren Fast Food. Und damit kommen wir schon zur nächsten praktischen Erfindung. Wieder mit ganz viel Plastik! Und man erspart sich das lästige Obstschnippeln! Und der Name ist auch lustig: Quetschies. Das Fruchtmus aus dem Quetschbeutel wird immer beliebter, da es natürlich einfacher ist, Obstbrei aus den kleinen bunten Tütchen zu nuckeln als es mühsam mit einem Löffel zum Mund zu führen. Doch Öko-Test hatfestgestellt, dass Hersteller den Quetschies gerne Zucker hinzufügen – obwohl das gequetschte Obst sowieso schon jede Menge enthält. Die Mischung aus Säure und Zucker, die durch das Mundstück der Verpackung gesaugt wird, birgt deshalb eine erhöhte Kariesgefahr. Und ist die kleine Tüte erst einmal weggenuckelt – wandert die Verpackung aus Aluminium und Plastik in den Müll. Nicht gerade umweltfreundlich – genau so wenig wie die neue Geschäftsidee des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé. Ja! Nestlé will mit dem Erfolgsrezept seines Kapsel-Kaffees eine neue Zielgruppe erreichen und bietet jetzt Babymilch in Kapselform an. „BabyNes” (kein Scherz!) ist Milchpulver in Plastikkapseln, das mit heißem Wasser in einer speziellen Maschine zubereitet wird. Klar, dieser Babymilchautomat kostet auch „nur” rund 250 Franken – umgerechnet 220 Euro – und funktioniert wie das Nespresso-Kaffeesystem. Also mit kleinen teuren Kapseln in verschiedenen Sorten („Schweizer Kuh?“). Das ist natürlich doppelt so teuer wie normales Milchpulver, dafür gibt es noch einen speziellen Service: „Wenn Sie das Maschinen Modell mit Online-Dienstleistungen besitzen und Sie diese aktiviert haben, wird My BabyNes täglich rund um die Uhr mit Ihrer Maschine, Ihrem Tagebuch und Ihrer Ernährungsberaterin verbunden sein. So können Sie tagtäglich das Wachstum und die Ernährung Ihres Babys leicht verfolgen“. Oh ... Big Nestlé is watching you! Gott sei Dank bisher nur in der Schweiz und Frankreich. Ob die dort ganz gewöhnliches Leitungswasser in die BabyNes einfüllen? Kein spezielles Babywasser? Das enthält nämlich wenig Natrium, keine Kohlensäure und ist keimfrei. Und hat natürlich einen besonderen Preis: Ein Liter Babywasser kostet in etwa so viel wie 100 Liter Leitungswasser. Öko-Test beruhigt: Leitungswasser ist selbst ohne Abkochen für Babys völlig ok. Außerdem kommt es unverpackt aus dem Wasserhahn. Ohne Vitaminzusatz. Endlich mal ein Lebensmittel, das nicht überflüssig ist ;-)

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