Familie

(K)ein Küsschen für die Tante

TH
Familie

Yannick sieht Tante Anja und Onkel Paul mittlerweile nur noch sehr selten. Seitdem Yannick mit seinen Eltern weggezogen ist, ist auch der Kontakt für ihn weitgehend abgebrochen. Er kann sich auch nur noch vage daran erinnern, wie es früher war, als seine Tante ihn manchmal vom Kindergarten abgeholt hat. Oft sind sie dann auf den Spielplatz und manchmal noch ein Eis essen gegangen. Mittlerweile ist Yannick in der 2. Klasse, in einer neuen Stadt, weit weg von der alten Heimat. Etwa zweimal im Jahr besucht seine Familie Tante Anja, die Schwester seines Vaters, und Onkel Paul. Das bedeutet immer: lange Autofahrt, stillsitzen beim gemeinsamen Kaffeetrinken und die ständige Aufforderung, was zu erzählen. Wenn er Fragen, wie „Wie ist es in der Schule?“, „Spielst du gerne Fußball?“, „Wie ist dein Zeugnis ausgefallen?“ nur mit „Gut“ beantwortet, reicht ihnen das nicht. Wenn aber dann Anja noch um ein Küsschen bittet, hört für Yannick der Spaß vollends auf. Er mag das nicht, sagt es aber nicht. Er möchte Anja kein Küsschen geben. Er möchte auch nicht bei Onkel Paul auf dem Schoss sitzen, wenn sie Karten spielen, wie Yannick es wohl früher gerne gemacht hat, so erzählt man es zumindest. Yannick ist die ganze Situation unangenehm. Anja und Paul bezeichnen ihn dann als schüchtern und rücken ihm erst recht auf die Pelle. Das macht es nicht besser. Von außen betrachtet, kann man Yannicks Reaktion sehr gut nachempfinden. Denn auch wir als Erwachsene mögen nicht jeden herzen, drücken, geschweige denn küssen. Was wir aber teilweise von Kindern fordern oder erwarten, ist distanz- und manchmal auch respektlos. Kinder müssen gefragt werden und wenn sie verweigern, muss es respektiert werden. Wir wollen doch, dass unsere Kinder lernen, „Nein!“ zu sagen. Es gehört sich, dass man „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“, „Bitte“ und „Danke“ sagt. Aber es gehört sich nicht, Kinder einfach zu küssen oder ihnen über die Haare zu streichen. Auch, ob man von Kindern erwarten muss, zur Begrüßung die Hand zu reichen, ist fraglich. Es ist doch wichtig, dass Kinder lernen, ein Gespür dafür zu entwickeln, wem sie näher stehen möchten und wem eher nicht. Sie sollen selbstbestimmt sagen dürfen, dass sie es nicht mögen, jemanden zu berühren oder sich selbst anfassen lassen zu müssen. Denn unter Umständen müssen sich Kinder gar wehren, wenn sie Kontakt ablehnen und das werden sie nicht können, wenn ihnen nie erlaubt wurde „Nein“ zu sagen. Den eigenen Gefühlen zu vertrauen, Gefühle kennenzulernen und sie zu benennen sind wichtige Erfahrungen für Kinder. Sie müssen angenehme Empfindungen und Gefühle von unangenehmen unterscheiden lernen. Und wenn sich etwas nicht gut anfühlt, muss man den Kontakt zurückweisen. Und nasse Küsse von der Tante will doch niemand. Und wenn es dann heißt: „Dann ist die Tante aber ganz traurig …!“ Dann hat sie halt Pech gehabt. Und mit Zuwendungen, Geld oder Geschenken ist da auch nichts zu machen. Ein Küsschen ist unbezahlbar.

Aktuelles
© Kinderbüro Frankfurt

Aktion des Frankfurter Kinderbüros

Aktuelles
© Munchmuseet, Oslo

Workshops und Führungen für Kinder ab sechs Jahren, Familien und Erwachsene

Aktuelles
© Frankfurter Kinderbüro, Jochen Guenther

Noch bis zum 31. Dezember ist eine Anmeldung für eine Veranstaltung für die Kinderrechtskampagne Stadt der Kinder 2020 möglich

Aktuelles

Malen, Backen, Basteln

Aktuelles
© Joanie Lemercie

Ausstellung im Museum Sinclair Haus bis zum 02.02.2020

Aktuelles

Schule

Aktuelles

Aktuelles

Aktuelles